Beiträge auf der Silvester-Pressekonferenz der Berliner Feuerwehr in Mitte (Video)
Vinzent Kasch (Behördensprecher):
Für viele ist Silvester ein Grund der Freude und zum Feiern. Wir kommen zusammen und feiern den Neubeginn des Jahres. Aus der Sicht der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ist es eine der herausfordernden Nächte des Jahres.
Die Feuerwehr möchte deswegen einen Eindruck vermitteln, wie sich die Leute auf so etwas vorbereitet. Welche typischen Gefahren und Verletzungen erwartet werden. Auch technische Vorbereitungen gehören dazu. Sie wollen natürlich auch über die Gefahren aufklären.
Silvester bringt ganz typische Gefahren mit sich, wie z.B. Wohnungsbrände durch fehlgeleitete Raketen, blockierte Straßen und auch Angriffe auf die Rettungskräfte. All dies wird zu einer besonderen Belastung für die Kollegen. Monate vorher beginnen die Kollegen schon, sich auf Silvester vorzubereiten. Die Kollegen machen freiwillig zusätzlich zu ihrem Dienst noch Präventionsarbeit in den Kiezen. Prävention heißt nicht nur Regeln aufzustellen, sondern auch Beziehungen aufzubauen auf Augenhöhe. Rettungsdienste sind nicht Teil des Spektakels, sie sind da, um Leben zu retten und Brände zu löschen. Hilfe zu leisten.
Markus Wiezorek (Abteilungsleiter Einsatzvorbereitung):
Die Feuerwehr fängt mit der Vorbereitung an, indem sie sich das letzte Jahr anschaut. Im letzten Jahreswechsel 2024 auf 2025 von 19 bis 6 Uhr wurden sie zu über 1.800 Einsätzen gerufen. Das war eine enorme Steigerung zu den Jahren zuvor. Davon waren 160 Einsätze Brände, die gelöscht werden mussten. Auch fünf Großbrände, die viele Kollegen für lange Zeit in Anspruch genommen haben. Das zeigt deutlich, worauf sich die Kollegen der Feuerwehr einstellen können. Es wird wieder viele Einsatzorte geben und es muss überlegt werden, wie effizient die Kollegen verteilt werden.
Im letzten Jahr war besonders negativ in Erinnerung der große Einsatz, wo missbräuchlich Pyrotechnik, sogenannte Kugelbomben losgingen.
Unter den vielen Verletzten war auch ein Kind. Die Kollegen der Feuerwehr hatten schwerste Brand- und Splitterverletzungen zu versorgen und mussten auch Tage danach mit den Bildern im Kopf klar kommen, was sie zu Silvester erlebt hatten. 36 Wohnungen wurden durch diese Kugelbombe unbewohnbar. Zu Beginn der Silvesternacht war die Feuerwehr schon durch einen Rohrbruch in Wedding stark gefordert. Teile des Nordwestens Berlins waren ohne Trinkwasser und auch ohne Löschwasser. Diese Eindrücke und das Erlebte prägen die Vorbereitung in diesem Jahr.
Sie müssen erneut mit einer hohen Anzahl von parallellaufenden Kleinbränden rechnen. Sie müssen sich darauf vorbereiten, dass mehrere Massenanfälle von Verletzten gleichzeitig stattfinden durch unsachgemäße Benutzung von Pyrotechnik, aber auch durch Verkehrsunfälle. Sie müssen sich auch auf Krisensituationen vorbereiten, die entstehen können oder auch extreme Wetterereignisse wie Glatteis oder starker Wind, die dafür sorgen können, dass die Einsatzbelastung zunimmt.
Die Einsätze in der Silvesternacht sind mehr als verdreifacht im Vergleich zu normalen Nächten. Dazu kommen auch in der Silvesternacht Fehlmeldungen durch Brandmeldeanlagen. Auf Einsätze wie z.B. den Wasserrohrbruch im Wedding können sich die Kollegen der Feuerwehr nun viel besser vorbereiten. Dieses Jahr kommen ehrenamtliche Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr dazu. Das sind alleine 40 Leute mehr als im letzten Jahr.
Die Feuerwehr empfiehlt einen Wassereimer oder einen Feuerlöscher bereitzuhaben, weil so einige Kleinbrände selbst gelöscht werden können.
Jessica Lotze (Oberärztin in der Einsatzvorbereitung Rettungsdienst):
Ich möchte Ihnen als Oberärztin der Berliner Feuerwehr ein paar Aspekte zu den rettungsdienstlichen und medizinischen Besonderheiten der Silvesternacht geben.
Wie Ihnen allen bekannt ist, ist die Situation im Rettungsdienst mit steigenden Zahlen, als auch die Situation in den Krankenhäusern, insbesondere den Notstellen angespannt. Auch das Glatteis vor einigen Tagen hat die Kapazitäten nahezu erschöpft.
Leider führt die Silvesternacht zu einem deutlichen Zuwachs von Notrufen in der Leitstelle der Berliner Feuerwehr. Der Umgang mit Feuerwerk führt in jedem Jahr zu zahlreichen Verletzungen, aber manchmal auch zu bleibenden Schäden bis hin zum Tod. Dabei sind besonders betroffen die Hände, die Augen, der gesamte Schädel und auch das Gehör. Achten Sie bitte auch auf ihre Kinder und verwenden Sie einen Gehörschutz. Ein Drittel der Verletzungen durch Feuerwerk passiert bei rumstehenden Personen. Sie erleben auch vermehrte Einsätze durch Konsum von Alkohol oder andere Drogen. Versuchen Sie, auf den Konsum zu verzichten oder achten Sie auf verantwortungsvollen Umgang. Frischen Sie gerne ihren Erste-Hilfe-Kurs auf. Sie können sich auf verschiedenen Internetseiten von Hilfsorganisationen bei Bränden oder Verletzungen informieren.
Berlin gilt oft als hart aber herzlich und Sie würde sich freuen, wenn es sich von seiner herzlichen Seite zeigt sowohl in der kommenden Silvesternacht als auch im kommenden Jahr und wir aufeinander Rücksicht nehmen und uns gegenseitig unterstützen.
Dafür habe ich einen Vorschlag als guten Neujahrsvorsatz für die Berliner Bevölkerung: Wer volljährig ist und sich in der Lage sieht Erste Hilfe zu leisten bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, kann sich sehr gerne als Ersthelfer bei der Katretter App registrieren. Dazu wird man Teil der Überlebenskette und kann wertvolle und essenzielle Hilfe leisten und uns dabei helfen, Leben zu retten.
Sie können sich dafür gerne auf unserer Internetpräsenz www.berliner-feuerwehr.de informieren, wenn das für Sie infrage kommt. Auch ich möchte gerne mit einem Appell meinen Beitrag schließen. Denken Sie bitte stets daran, dass wir nur kommen, weil wir gerufen werden und Hilfe benötigt wird. Das heißt, wenn Sie uns behindern oder Gewalt gegen Einsatzkräfte ausgeübt wird, dann schaden Sie damit nicht nur uns, sondern verzögern auch die Hilfe bei den Betroffenen. Ich wünsche Ihnen somit ein wundervolles friedliches Silvesterfest und kommen Sie gesund und unverletzt ins neue Jahr 2026.